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>> Geschichte

Logo 1970er-Jahre

Gründung 1972:  In der Strafanstalt Regensdorf (heute Pöschwies) war es zu Beginn der 1970er-Jahre erstmals möglich, Gruppengespräche zu führen. Gedacht waren diese als Ventil für die während des Strafvollzugs auftauchenden vielfältigen Probleme. Zudem sollten sie Gelegenheit bieten, die eigene Vergangenheit zu verarbeiten und Illusionen hinsichtlich des Lebens „draussen“ kritisch zu hinterfragen. Die Einführung von Gruppengesprächen erwies sich als äusserst sinnvoll und zukunftsweisend. Es lag deshalb nahe Überlegungen anzustellen, wie dieser institutionalisierte Austausch nach der Entlassung fortgeführt werden konnte. Das team72, „eine Gemeinschaft von Personen, die im Freiheitsentzug stehen oder gestanden sind, und von anderen Personen, die sich diesem Kreis anschliessen, um gemeinsam an der Gestaltung des Lebens zu arbeiten“ (Zitat aus den damaligen Statuten), war geboren. In der Gründerzeit stellte sich das team72 immer wieder als „offene Selbsthilfegruppe“ dar – offen deshalb, weil stets auch nicht-verurteilte Personen den Verein unterstützten. Der Zweck wurde wie folgt definiert: Entlassenen im Kontakt zur Gesellschaft helfen, bei der Stellensuche unterstützen, „ungezwungene“ Kontakte und Freizeitbeschäftigungen schaffen, Ferien ermöglichen, Beratung in Rechts-, Ehe- und Familienangelegenheiten.

Logo 1980er-Jahre

1970er-Jahre:  Im ersten Domizil an der Zürichbergstrasse (!) konnten bis zu acht Strafentlassene beherbergt werden. 1975 zog das team72 an die Hofwiesenstrasse 318 bis 322 in Zürich-Oerlikon, wo das Wohnhaus noch heute seinen Sitz hat. Die Liegenschaft umfasst total zehn Drei-Zimmer-Wohnungen und gehört dem Kanton Zürich. Der Verein finanzierte sich die ersten fünf Jahre ausschliesslich durch private und kirchliche Spenden. 1977 nahm man erstmals eine Defizitgarantie des Kantons (45'000 Franken) in Anspruch. Erste Schritte in Richtung Professionalisierung wurden eingeleitet und im Zuge derer ein Sozialarbeiter mit 100 Stellenprozenten angestellt.

1980er-Jahre:  Eine der Drei-Zimmer-Wohnungen wurde zur „Gemeinschaftswohnung“ mit einem grossen Aufenthaltsraum sowie Büroräumlichkeiten für das Betreuungsteam umgebaut. Erstmals in der Vereinsgeschichte hielt das team72 an der Hofwiesenstrasse 320 eine Generalversammlung ab. Der jährliche kantonale Beitrag erhöhte sich (80'000 Franken). Es wurde zusätzlich ein „Animator“ eingestellt, womit für die Betreuung der Strafentlassenen neu insgesamt 190 Stellenprozente zur Verfügung standen.

Logo 1990er-Jahre

1990er-Jahre:  Das team72 durfte 1992 das 20-Jahr-Jubiläum feiern und war als Institution mittlerweile gefestigt. Dies zeigte sich auch daran, dass das Vorwort zur damaligen Festschrift vom Bundesrat a. D. Moritz Leuenberger, in der Zeit Vorsteher des Zürcher Departements für Justiz und Inneres, verfasst wurde. Dem Verein gehörten gegen 1'000 Mitglieder und Gönner/-innen an. Ab Mitte der Neunziger-Jahre sah sich auch das team72 mit einer stetigen Zunahme von Drogenabhängigen konfrontiert. Begegnet wurde der Problematik mit einer räumlich getrennten Unterbringung von suchtbetroffenen Strafentlassenen sowie der Anstellung einer/eines zusätzlichen Sozialarbeitenden, womit über gesamthaft 240 Stellenprozente verfügt werden konnte. 1999 ging man von der bisherigen Team- zur operativen Einzelleitung über.

Logo 2000er-Jahre

2000er-Jahre:  Es wurden grössere Anstrengungen zur weiteren Professionalisierung unternommen, zum Teil auch anlässlich des neuen Leistungsvertrags mit dem Kanton Zürich ab 2003. In der Folge erbrachten neu vier Mitarbeitende mit total 320 Stellenprozenten während 40 Stunden wöchentlich (zuvor nur eine 25-Stunden-Wochenpräsenz) Betreuungsleistungen. Mitte des Jahrzehnts wurde schliesslich ein neues Leitbild sowie Betriebskonzept entwickelt. Seither werden die Klienten/-innen mit delikt- und fertigkeitsorientierten Trainings gezielt in ihrem Bemühen unterstützt, sich zu bewähren. Zeitgleich erfolgten umfassende Renovationsarbeiten zur Aufwertung der Hausinfrastruktur. Im Rahmen eines Stiftung finanzierten Projekts mit dem Ziel der Verbesserung der sozialen und Arbeitsintegration von Straffälligen entwickelte das team72 im Jahre 2007 ein handwerklich ausgerichtetes Beschäftigungsprogramm. Hierfür wurde im Untergeschoss der Liegenschaften 318 bis 322 aufwändig eine Werkstatt eingerichtet.

 

2010er-Jahre:  Das Arbeitsprogramm in der internen Werkstatt mit acht Einsatzplätzen wurde nach der dreijährigen Projektphase definitiv ins Leistungsangebot des team72 aufgenommen. Als Resultat einer sozialwissenschaftlichen Analyse des Versorgungssystems für Strafentlassene im Kanton Zürich initiierte das team72 im Jahre 2011 das Projekt "infostelle72", eine Informations- und Beratungsstelle für Straffällige sowie eine interessierte Öffentlichkeit. Diese hat zum Ziel, Betreuungsdefizite der Klienten/-innen nach dem Vollzug aufzufangen und fehlende Vernetzungen im Hilfesystem herzustellen. 2013 wurde das team72 auf Grund eines Outsourcings der Zürcher Bewährungs- und Vollzugsdienste beauftragt, die Freiwilligenarbeit im Justizvollzug des Kantons Zürich zu koordinieren und fachlich zu begleiten. Die erweiterten Dienstleistungen wurden neu von total neun Mitarbeitenden mit rund 650 Stellenprozenten erbracht. 2015 wurde schliesslich in Kooperation mit dem Zürcher Justizvollzug und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften die erste resoz-Tagung ("resoz15") erfolgreich veranstaltet.